Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Lieferfähigkeit sicherzustellen und gleichzeitig Bestände sowie gebundenes Kapital zu reduzieren. Durch global vernetzte Lieferketten, volatile Märkte und steigende Unsicherheiten wird diese Balance zunehmend anspruchsvoller.
Klassische Ansätze zur Sicherheitsbestandsplanung basieren häufig auf einfachen Formeln, Zielreichweiten oder Erfahrungswerten. Diese Methoden berücksichtigen jedoch meist nicht ausreichend, wo im Netzwerk Unsicherheiten tatsächlich entstehen und an welcher Stelle Bestand den größten Beitrag zur Service-Absicherung leistet. Besonders in mehrstufigen Lieferketten kann dies dazu führen, dass Bestände an falschen Orten aufgebaut werden, während kritische Engpässe weiterhin bestehen.
Moderne Bestandsoptimierung wie etwa SAP IBP Inventory Optimization (IO) setzt genau hier an. Statt Sicherheitsbestände pauschal zu erhöhen, geht es darum, Bestände gezielt dort zu positionieren, wo sie tatsächlich zur Lieferfähigkeit beitragen und den größten Nutzen bieten. Abhängig von der Ausgangslage können so zwischen 10% und 30% an Gesamtbestand eingespart werden.
SAP IBP IO nutzt Informationen aus Nachfrageplanung, Supply-Chain-Strukturen, Lieferzeiten, Produktionszeiten und Variabilitäten, um optimale Bestandsziele über das Netzwerk hinweg zu berechnen. Dabei kommen folgende Kernfunktionalitäten zum Einsatz:
Holistische Sicht: SAP IBP IO nutzt Bedarfsprognosen, Supply-Chain-Strukturen, Bestandsdaten und relevante Planungsparameter, um Bestände über das gesamte Netzwerk hinweg transparent zu analysieren.
Optimierung von Bestandszielen: IBP IO hilft dabei, optimale Bestandsziele zu definieren. Dabei werden unter anderem Nachfrageunsicherheiten, Forecast-Fehler, Lieferzeiten, Produktionszeiten und deren Variabilität berücksichtigt. Ziel ist es, Sicherheitsbestände nicht pauschal festzulegen, sondern datenbasiert pro Produkt-Standort-Kombination zu berechnen.
Multi-Echelon Netzwerkoptimierung: Bestände werden nicht isoliert pro Lagerknoten optimiert, sondern über das gesamte Supply-Chain-Netzwerk hinweg. Dabei wird analysiert, an welchen Lagerorten Sicherheitsbestände gehalten werden sollten und wo Bestände eher durch vorgelagerte oder nachgelagerte Knoten abgesichert werden können.
Balance zwischen Service-Level und Bestandskosten: Ein zentraler Mehrwert liegt in der transparenten Abwägung zwischen Lieferfähigkeit und Bestandskosten. Unternehmen können dadurch besser bewerten, welche Service-Level-Ziele realistisch sind, welche Bestände dafür erforderlich wären und wo unnötig hoher Bestand reduziert werden kann.
Das Ergebnis der Optimierung sind konkrete Bestandsziele je Produkt-Standort-Kombination. Planer erhalten damit eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage, um Sicherheitsbestände gezielt anzupassen und die Auswirkungen auf Service-Level, Bestandshöhe und Kosten transparent zu bewerten.
Ein weiterer Vorteil von SAP IBP IO liegt in der Möglichkeit, verschiedene Szenarien zu simulieren. Unternehmen können beispielsweise analysieren, wie sich höhere Service-Level-Ziele, veränderte Lieferzeiten, neue Netzwerkstrukturen oder veränderte Nachfragevolatilität auf die benötigten Bestände auswirken. Beispiele für solche Szenarien könnten sein:
Neben einer detaillierten Ansicht in Planungsoberflächen können die Bestände auch durch anschauliche Dashboards überwacht und analysiert werden.
Die Einführung von SAP IBP IO ist nicht nur ein technisches Projekt. Häufig müssen bestehende Planungslogiken, Verantwortlichkeiten und Zielkonflikte zwischen Vertrieb, Supply-Chain-Management, Produktion und Finanzen neu abgestimmt werden. Die Optimierungsergebnisse sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern sind in einen integrierten S&OP- oder IBP-Prozess einzubetten.
Richtig eingesetzt, unterstützt SAP IBP IO Unternehmen dabei, Sicherheitsbestände nicht nur zu berechnen, sondern strategisch zu steuern. So entsteht Transparenz darüber, wo Bestand tatsächlich benötigt wird, welche Service-Level realistisch sind und wie Working Capital gezielter eingesetzt werden kann.